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Recht / Arbeits-/Sozialrecht 
Donnerstag, 01.03.2018

Anerkennung einer Hüfterkrankung bei Handballspielern als "Quasi Berufskrankheit"?

Das Sozialgericht Gießen entschied, dass es keine medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnisse im Sinne einer gesicherten herrschenden Ansicht gibt, nach denen die Anerkennung einer Hüfterkrankung bei Handballspielern als Berufskrankheit in Betracht kommt. Wenn zwischen der Aufnahme der versicherten Tätigkeit als professioneller Handballer und der erstmaligen Diagnose der Hüfterkrankung ein Zeitraum von weniger als zwei Jahren liegt, besteht auch kein “Anfangsverdacht” eines kausalen Zusammenhangs, der Anlass für weitere Ermittlungen des Gerichts bieten würden. Die unversicherten Zeiten als Jugendspieler in einer Sportart, die später beruflich ausgeübt wird, fänden bei der Berücksichtigung von Expositionen im Berufskrankheitenrecht keine Berücksichtigung (Az. S 1 U 28/16).

Im vorliegenden Fall spielte der 1985 geborene Kläger seit seinem 4. Lebensjahr Handball. Zwischen 2002 und 2012 ging er einer bei der Berufsgenossenschaft versicherten Profitätigkeit in mehreren Vereinen u. a. von 2008 bis 2010 beim TV Hüttenberg nach. Innerhalb von weniger als zwei Jahren nach Aufnahme der versicherten Tätigkeit kam es zu einer verschleißbedingten Erkrankung des Hüftgelenks. Im November 2014 stellte der Kläger bei der Berufsgenossenschaft einen Antrag auf Anerkennung einer “Wie-BK” (Wie-Berufskrankheit). Er vertrat die Auffassung, der Hüftschaden sei ursächlich auf die versicherte Tätigkeit als Handballspieler zurückzuführen. Nach Auswertung umfangreicher Krankenunterlagen lehnte die Berufsgenossenschaft die Anerkennung des Hüftschadens als Berufskrankheit ab.

Das Gericht gab der Berufsgenossenschaft Recht. Eine Entschädigung aufgrund einer Anerkennung der Hüfterkrankung des Klägers als Berufskrankheit komme nicht in Betracht, weil es sich bei der Hüfterkrankung nicht um eine anerkannte Berufskrankheit handele. Der Anspruch des Klägers auf Anerkennung und Entschädigung seiner Erkrankung bestehe auch nicht gemäß § 9 Abs. 2 SGB VII, wonach eine Krankheit gegebenenfalls “wie eine Berufskrankheit” (sog. Quasi-BK) entschädigt werden könne. Nach Auswertung sämtlicher durch den Kläger beigebrachter und durch das Gericht beigezogener Unterlagen seien die von der Rechtsprechung entwickelten Anforderungen an eine BK-Reife nicht als erfüllt angesehen worden. Es lägen nicht die erforderlichen epidemiologischen Reihenuntersuchungen vor. Bei einer mittleren vierstelligen Zahl von versicherten professionellen Handballspielern lägen insgesamt nur vier Anzeigenfälle vor. Es sei deshalb davon auszugehen, dass durch die geringe Zahl von Verdachtsfällen ein epidemiologischer Zusammenhang nicht vermutet werden könne.

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