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Steuern / Einkommensteuer 
Montag, 05.03.2018

Aufwendungen für die Unterbringung in einem Internat als Kinderbetreuungskosten abzugsfähig

Das Finanzgericht Thüringen entschied, dass der in § 9c EStG nicht definierte Begriff der Kinderbetreuung weit zu fassen ist. Aufwendungen für die Kinderbetreuung seien alle Ausgaben in Geld oder Geldeswert (z. B. Wohnung, Kost, Waren, Sachleistungen), die für die Betreuung eines Kindes aufgebracht werden (Az. 2 K 95/15). Für die Anerkennung von Betreuungsaufwendungen müsse nicht die persönliche Fürsorge für das Kind im Vordergrund stehen, d. h. die Betreuung in diesem Sinne müsse nicht nur die behütende oder beaufsichtigende Betreuung sein. Vielmehr könne die Vorschrift nur so verstanden werden, dass sie die Sach- und Betreuungskosten für die Wahrnehmung der Personensorge, mit Ausnahme der Verpflegungskosten des Kindes und der nach § 9c Abs. 3 EStG ausgeschlossenen Aufwendungen, unterschiedslos erfasse.

Im vorliegenden Fall waren somit Internatsgebühren für die Tochter der Klägerin als Kinderbetreuungskosten wie Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbständiger Tätigkeit der Klägerin abzuziehen.

Daraufhin hat das Finanzministerium Schleswig-Holstein (Schreiben vom 21.01.2017, Kurzinformation Nr. 2017/25) darauf hingewiesen, dass Aufwendungen für die Unterbringung in einem Internat nach § 10 Abs. 1 Nr. 5 Satz 1 EStG als Kinderbetreuungskosten abziehbar sind. Aufwendungen für Unterricht, die Vermittlung besonderer Fähigkeiten sowie sportliche und andere Freizeitbetätigungen seien hingegen vom Sonderausgabenabzug ausgeschlossen – ggf. sei eine Aufteilung der Aufwendungen vorzunehmen. Aufwendungen für den Aufenthalt in einem Ferienlager würden von der Finanzverwaltung nicht als Kinderbetreuungskosten anerkannt, da es sich hierbei um eine Freizeitbetätigung handele.

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