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Recht / Zivilrecht 
Montag, 05.02.2018

Unzumutbare Lärmbelästigung durch Familie mit kleinen Kindern in Nachbarwohnung

Das Amtsgericht München entschied in einem rechtskräftigen Urteil, dass Nachbarn den von einer Familie mit kleinen Kindern ausgehenden Lärm nicht grenzenlos hinnehmen müssen und das von den Kindern über einen längeren Zeitraum zur Nachtzeit ausgehende Geschrei, Springen, Getrampel, Seilspringen in der Wohnung und Herumfahren mit Kinderfahrrad und Roller im Hausflur unzumutbar ist (Az. 281 C 17481/16).

Klägerin im vorliegenden Fall war eine Wohnungseigentümergemeinschaft eines achtstöckigen Hochhauses mit vier bis fünf Wohnungen pro Stockwerk. Die Hausordnung sah Ruhezeiten von 12 Uhr bis 14 Uhr und 20 Uhr bis 7 Uhr vor. Die Klägerin trug vor, dass es zur Mittags- und Nachtzeit fast täglich zu Ruhestörungen durch die Beklagten, eine Familie mit Kindern, käme, in dem sie sich weit über Zimmerlautstärke unterhielten, laut unter Benutzung der Freisprecheinrichtung telefonierten, häufig Besuch von mehreren Personen in den Abendstunden empfingen, laut Musik hörten, den Fernseher zeitgleich laut anhätten und in den Abendstunden häufig staubsaugten. Des Weiteren verursachte die Familie Lärm u. a. durch Geschrei, Herumtrampeln und Springen. Die beklagte Familie wurde fast seit ihrem Einzug von den Miteigentümern immer wieder aufgefordert, die Störungen zu unterlassen. Die Situation änderte sich dadurch jedoch nicht.

Das Amtsgericht gab der Klägerin Recht und untersagte unter Androhung von Ordnungsgeld den Beklagten zu den in der Hausordnung festgesetzten Zeiten laute Unterhaltungen – insbesondere mit Geschrei – zu führen sowie Fernseher, Radio und sonstige Wiedergabegeräte über Zimmerlautstärke hinaus zu betreiben. In den genannten Zeiten haben sie es auch zu unterlassen, den üblichen Lärmpegel von spielenden Kindern zu überschreiten. Nach Auffassung des Gerichts stehen Frequenz, Lautstärke und die Zeiten der Lärmentfaltung nicht mehr im Zusammenhang mit einer adäquaten Wohnnutzung oder einer hinzunehmenden lebhaften Lebensäußerung von Kindern.

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