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Recht / Arbeits-/Sozialrecht 
Montag, 29.01.2018

Anerkennung von Zeckenbiss als Arbeitsunfall - Örtliche und zeitliche Bestimmbarkeit ist Voraussetzung

Bei einer Lehrerin kann ein Zeckenbiss nicht als Arbeitsunfall anerkannt werden, wenn nicht mit erforderlicher Sicherheit festgestellt werden kann, dass sie sich diesen tatsächlich während der Arbeitszeit zugezogen hat. So entschied das Thüringer Landessozialgericht (Az. L 1 U 150/17).

Eine Lehrerin hatte am 1. Juni 2012 im Rahmen des Sportfestes einer Staatlichen Grundschule bis ca. 14 Uhr Aufsicht geführt. Beim Duschen am Abend entdeckte sie eine Zecke und entfernte diese. Die Unfallkasse Thüringen lehnte einen Unfallversicherungsschutz ab.

Das LSG hielt dies für rechtmäßig. Zwar könne ein Zeckenbiss als Arbeitsunfall anzuerkennen sein. Dies setze aber eine örtliche und zeitliche Bestimmbarkeit des Ereignisses “Zeckenbiss” voraus. Aufgrund der Angaben der Lehrerin habe sich das Gericht nicht die erforderliche Überzeugung verschaffen können, dass sie zum Zeitpunkt des Zeckenbisses bzw. des Erstkontaktes mit der Zecke einer versicherten Tätigkeit nachgegangen sei. Es stehe nur fest, dass sie am Unfalltag auf dem Sportplatz von 8 Uhr bis 14 Uhr Aufsicht geführt habe. Da sie die Zecke erst abends gegen 23 Uhr beim Duschen entdeckt habe, könne nicht mit dem erforderlichen Vollbeweis festgestellt werden, dass sich die Klägerin die Zecke bei der Aufsicht auf dem Sportplatz zugezogen habe. Allein das Bestehen einer Möglichkeit reiche nach den Beweisgrundsätzen der gesetzlichen Unfallversicherung nicht aus. Da sich der Zeitpunkt des Zeckenbisses bzw. des Erstkontakts mit der Zecke nicht feststellen lasse, seien keine Feststellung dazu möglich, ob die Klägerin zu diesem Zeitpunkt eine versicherte Tätigkeit ausgeübt habe. Daher habe die Lehrerin keinen Anspruch gegen die Versicherung.

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