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Recht / Zivilrecht 
Donnerstag, 25.01.2018

Airline muss Entschädigung zahlen - Gericht hält auch für kleinere Verspätungen Einplanung von Zeitpuffer beim Umsteigen für zumutbar

Wenn sich ein Zubringerflug verspätet und ein Passagier den Anschlussflug verpasst, ist im Einzelfall zu prüfen, ob dem Fluggast eine Entschädigung zusteht. Das Amtsgericht Hamburg entschied, dass es darauf ankommt, ob die Fluggesellschaft durch zumutbare Maßnahmen das Verpassen des Anschlussfliegers hätte verhindern können – selbst wenn die Verzögerung des Zubringers unvermeidbar war. Eine solche zumutbare Maßnahme wäre ein Zeitpuffer am Umsteigeflughafen (Az. 22a C 59/16).

Im konkreten Fall ging es um einen Flug von Hamburg über London nach New York. Die Umsteigezeit in London betrug eine Stunde. Weil die Maschine in Hamburg mit 29 Minuten Verspätung startete, verpasste der Kläger seinen Weiterflug in die USA und erreichte New York rund fünf Stunden verspätet. Er verlangte eine Entschädigung. Die Fluggesellschaft verweigerte die Zahlung. Die Verzögerung des Zubringers sei nicht zu verhindern gewesen.

Das Amtsgericht vertrat hier – im Gegensatz zu anderen Gerichten, die einen Zeitpuffer für kleinere Verspätungen für nicht zumutbar hielten – die Auffassung, ein Zeitpuffer, der über die Mindestumsteigezeit von 60 Minuten hinausgehe, wäre für die Fluggesellschaft bei der Planung der Flüge zumutbar gewesen. Es komme allein darauf an, was die Airline in London unternommen habe, um den verspäteten Passagier doch noch rechtzeitig zur Anschlussmaschine zu bringen. Tatsächlich habe der Puffer aber 0 Minuten betragen. Der Fluggast habe daher einen Anspruch auf Entschädigung.

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