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Recht / Zivilrecht 
Dienstag, 16.01.2018

Mieterin kann bei erheblicher Gesundheitsgefährdung durch großflächigen Schimmel zu außerordentlicher Kündigung berechtigt sein

Für eine Mieterin kann großflächiger Schimmel an den Wänden der Mietwohnung ein Grund für eine außerordentliche Kündigung des Mietverhältnisses sein, denn aus dem Schimmelbefall ergebe sich unter Umständen eine Gesundheitsgefährdung für die Bewohnerin. Erheblich sei die Gesundheitsgefährdung, wenn nachhaltige oder dauernde Schädigungen drohen und die Gefährdung nicht leicht zu beseitigen sei. So entschied das Amtsgericht Saarbrücken (Az. 4 C 348/16 (04)).

In vorliegenden Fall kündigte eine schwangere Mieterin einer Eineinhalb-Zimmer-Wohnung den Mietvertrag außerordentlich, da die Einbauküche und die dahinterliegende Wand von Feuchtigkeit und Schimmel befallen sei. Auch an den Fenstern in Küche und Wohnzimmer gebe es Schimmel. Sie vertrat die Ansicht, es bestehe eine erhebliche Gesundheitsgefährdung für sie und ihr ungeborenes Kind. Die Vermieterin wollte die Kündigung nicht akzeptieren und bestritt zudem den gesundheitsgefährdenden Schimmelbefall, der wenn überhaupt nur durch falsches Heiz- und Lüftungsverhalten der Mieterin entstanden sei.

Das Gericht gab jedoch der Mieterin Recht. Nach einem Gutachten liege tatsächlich großflächiger Schimmelbefall vor, der nicht durch ihr Verhalten entstanden sei. Dagegen ergebe sich eine Gesundheitsgefährdung aus mehreren Aspekten. Die Größe der von Schimmel befallenen Fläche spiele hier eine Rolle. Zudem sei die Tatsache, dass in der Küche Mahlzeiten zubereitet würden, gravierend. Außerdem mache es die geringe Größe der Wohnung der Mieterin nahezu unmöglich, zu verhindern, sich Schimmelsporen auszusetzen. Die außerordentliche Kündigung sei daher gerechtfertigt.

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