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Recht / Zivilrecht 
Dienstag, 02.01.2018

Reise abgesagt - Kunde kann nicht Ersatz der Kosten einer Urlaubsvertretung gegenüber Reiseveranstalter geltend machen

Wenn eine Firma eine Urlaubsvertretung einstellt, kann der Reisende die dadurch entstandenen Kosten nicht vom Reiseveranstalter ersetzt verlangen, wenn die Reise abgesagt wird. Der Reiseveranstalter hafte nicht für entstandene Schäden eines Dritten. So entschied das Amtsgericht Rostock (Az. 47 C 142/16).

Aufgrund einer urlaubsbedingten Abwesenheit eines Arbeitnehmers im Jahr 2016 hatte eine Firma eine Urlaubsvertretung eingestellt. Die Reise des Arbeitnehmers, die aus einer Kreuzfahrt von Dubai nach Hamburg bestand, wurde jedoch von der Reiseveranstalterin abgesagt, da das Schiff nicht rechtzeitig hergestellt werden konnte. Der Reisende klagte gegen die Reiseveranstalterin auf Ersatz der Kosten der Urlaubsvertretung.

Das AG Rostock wies die Klage ab. Zwar könne der Reisende Ansprüche aufgrund der abgesagten Kreuzfahrt geltend machen, ihm sei aber kein Schaden entstanden. Der Schaden liege vielmehr bei der Firma. Zwar stehe einer Vertragspartei unter bestimmten Umständen ein Recht zu, den Schaden eines Dritten als eigenen Schaden geltend zu machen (sog. Drittschadensliquidation). Dies hätte jedoch u. a. erforderlich gemacht, dass die Firma in den Schutzbereich des Reisevertrags einbezogen war. Dies sei aber hier nicht der Fall gewesen. Geschützte Interessen der Firma seien nicht Gegenstand des Reisevertrags gewesen. Zudem genüge zur Liquidation des Drittschadens nicht, dass außer dem Anspruchsberechtigten auch ein Dritter einen Schaden erlitten habe. Die Drittschadensliquidation dürfe nicht zu einer Vermehrung der vom Reiseveranstalter zu befriedigenden Geschädigten und damit zu einer Erweiterung der nach dem Gesetz oder Vertrag begründeten Schadensersatzpflicht führen. Dem Reisenden stehe daher kein Anspruch auf Ersatz der Kosten der Urlaubsvertretung zu.

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