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Steuern / Umsatzsteuer 
Freitag, 15.12.2017

Anforderungen an Kassenbuchführung - Hinzuschätzung bei Friseurgeschäft mit dem besonderen Geschäftszweig "Haarverlängerung"

Das Finanzgericht Berlin-Brandenburg nahm in einer Entscheidung ausführlich zur Einzelaufzeichnungspflicht und zur ordnungsgemäßen Kassenführung des Inhabers eines Friseurgeschäfts mit dem besonderen Geschäftszweig “Haarverlängerung” Stellung (Az. 7 V 7345/16).

Der Inhaber eines Friseurgeschäfts mit dem besonderen Geschäftszweig “Haarverlängerung” ist zur Einzelaufzeichnung seiner Umsätze verpflichtet. Er muss seine Einnahmeursprungsaufzeichnungen dann nicht aufbewahren, wenn deren Inhalt unmittelbar nach Auszählung der Tageskasse in das in Form aneinandergereihter Tageskassenberichte geführte Kassenbuch übertragen wird. Für die Ordnungsmäßigkeit einer allein auf einen täglichen Kassenbericht gestützten Kassenbuchführung ist erforderlich, dass der Kassenstand täglich nach Geschäftsschluss ausgezählt und nicht nur rechnerisch fortgeschrieben wird.

Wenn die von dem Friseur geführten täglichen Kassenberichte lediglich auf der Weiterberechnung der vom Vortag übernommenen Kassenbestände beruhen und Grundlage dieser Weiterberechnung handschriftliche Aufzeichnungen in Gestalt von DIN A4-Blättern sind, die keine Uraufzeichnungen darstellen, da sie nicht im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit der Vereinnahmung der dort aufgeführten Entgelte, sondern auf der Grundlage von losen, im Wesentlichen undatierten und nicht durchgehend nummerierten Notizzetteln erstellt worden sind, und auch unklar ist, ob diese Notizzettel für sämtliche Öffnungstage des Betriebs vollständig vorliegen, so ist die im Kassenbericht jeweils eingetragene Summe nicht nachvollziehbar und die Kassenbuchführung somit nicht ordnungsgemäß.

Wenn die Kassenbuchführung bei einem bargeldintensiven Betrieb nicht ordnungsgemäß ist und zudem der erklärte Rohgewinn unter den Rohgewinnsätzen laut Richtsätzen liegt, besteht für die Finanzbehörde eine Befugnis und ein Anlass zur Hinzuschätzung von Erlösen.

Im vorliegenden Fall hatte das Gericht allerdings Bedenken gegen die vom Finanzamt vorgenommene Nachkalkulation. Es setzte hier wegen der erheblichen Bedeutung der Buchführungsmängel die Anwendung eines Unsicherheitszuschlags in Höhe von 10 % auf die erklärten Umsätze fest.

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