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Recht / Arbeits-/Sozialrecht 
Donnerstag, 07.12.2017

Krankenkasse muss Kosten für medizinische Fußpflege bei eingewachsenem Zehennagel erstatten

Eine gesetzlich Versicherte darf eine medizinisch notwendige Nagelspangenbehandlung ausnahmsweise durch eine staatlich geprüfte Podologin erbringen lassen und kann die Kosten dafür von der Krankenkasse erstattet verlangen, wenn kein Arzt die Leistung erbringen kann oder will. So entschied das Landessozialgericht Berlin-Brandenburg (Az. L 9 KR 299/16).

Im vorliegenden Fall litt die gesetzlich krankenversicherte Klägerin im Bereich der linken Großzehe unter einem eingewachsenen Zehennagel. Medizinisch notwendig war in diesem Fall die Behandlung mit einer individuell gefertigten Nagelkorrekturspange – einem aus Draht oder Kunststoff konstruierten Bügel mit Haken und Ösen, der unter dem freien Nagelrand angebracht wird und in längerer Prozedur den Nagel in seine ursprüngliche Form heben soll, wobei nach Anlegen der Spange der Sitz wiederholt angepasst werden muss. Die Klägerin fand keinen Arzt, der diese Behandlung erbringen konnte oder wollte. Weder die Krankenkasse noch die zum Verfahren beigeladene Kassenärztliche Vereinigung Berlin konnten einen ärztlichen Leistungserbringer benennen. Daraufhin begab sich die Klägerin in die Behandlung einer medizinischen Fußpflegerin (Podologin), die die Nagelkorrekturspange anlegte und ihren Sitz laufend regulierte. Die Erstattung der Kosten für die medizinische Fußpflege lehnte die Krankenkasse dann jedoch ab, weil es sich um eine ärztliche Behandlung handele.

Die Versicherte bekam in erster und zweiter Instanz Recht. Die Krankenkasse sei zur Kostenerstattung verpflichtet. Anspruch auf Versorgung mit Leistungen der medizinischen Fußpflege bestehe zwar grundsätzlich nur beim diabetischen Fußsyndrom. Dass die Nagelspangenbehandlung für die Klägerin nicht als ärztliche Leistung zu erhalten gewesen sei, begründe einen Systemmangel. Dieser erlaube ausnahmsweise die Inanspruchnahme eines nichtärztlichen Leistungserbringers. An der fachlichen Qualifikation der Podologin bestehe auch kein Zweifel. Staatlich geprüfte Podologen seien in besonderem Maße fachlich qualifiziert, die von Gesetzes wegen als ärztliche Leistung beschriebene Nagelspangenbehandlung sachkundig auszuüben.

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