Infothek

Zurück zur Übersicht
Steuern / Einkommensteuer 
Donnerstag, 30.11.2017

Lkw-Fahrer beginnt Fahrtätigkeit nicht typischerweise am Betriebssitz des Arbeitgebers - Für Fahrten bis zum Betriebssitz nicht nur Entfernungspauschale abzugsfähig

Ein Lkw-Fahrer, der lediglich zwei bis drei Tage je Woche seine Fahrtätigkeit am Firmensitz des Arbeitgebers beginnt und die übrige Zeit mehrtägige Fahrten unternimmt, sucht nicht typischerweise arbeitstäglich den Firmensitz des Arbeitgebers zur Aufnahme seiner beruflichen Tätigkeit auf. Daher kann er für die Fahrten mit dem eigenen Pkw zum Betriebssitz Reisekosten geltend machen. So entschied das Finanzgericht Niedersachsen (Az. 10 K 139/16).

Der Lkw-Fahrer war bei seinem Arbeitgeber beschäftigt. Entsprechend seiner arbeitsvertraglichen Regelung übte er seine Fahrtätigkeit im Rahmen von ein- oder mehrtägigen Fahrten im In- und Ausland aus. Im Streitjahr war er an insgesamt 242 Tagen mit dem Lkw unterwegs. Dabei entfielen 178 Tage auf mehrtägige Fahrten und 64 Tage auf eintägige Fahrten. Insgesamt hat er an 114 Tagen den 37 km von seinem Wohnort entfernt liegenden Betrieb seines Arbeitgebers mit seinem eigenen Pkw aufgesucht, um dort den Lkw zu übernehmen und mit seiner Fahrtätigkeit zu beginnen. Das Finanzamt berücksichtigte die 114 Fahrten zum Arbeitgeber lediglich mit einer Entfernungspauschale von 0,30 Euro/km, während der Steuerpflichtige Reisekosten geltend machen wollte.

Das Gericht gab dem Lkw-Fahrer Recht. Erste Tätigkeitsstätte sei die ortsfeste betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers, der der Arbeitnehmer dauerhaft zugeordnet ist. Der Lkw-Fahrer habe hier keine erste Tätigkeitsstätte gehabt. Er habe eine reine Fahrtätigkeit ausgeübt. Unstreitig sei er weder einer Tätigkeitsstätte im Unternehmen des Arbeitgebers ausdrücklich dauerhaft zugeordnet gewesen noch sei eine Zuordnung zu einer ersten Tätigkeitsstätte anhand quantitativer Zuordnungskriterien möglich. Auch die Ausnahmeregelung, die voraussetze, dass ein Arbeitnehmer keine erste Tätigkeitsstätte hat und er nach den dienst- oder arbeitsrechtlichen Festlegungen sowie Absprachen und Weisungen zur Aufnahme seiner beruflichen Tätigkeit dauerhaft denselben Ort oder dasselbe weiträumige Tätigkeitsgebiet typischerweise arbeitstätlich aufzusuchen hat, liege hier nicht vor. Der Lkw-Fahrer hatte hier zwar nach den Vorgaben seines Arbeitgebers zu Beginn seiner Fahrtätigkeit den Lkw am Firmensitz zu übernehmen, er habe den Firmensitz aber nicht typischerweise arbeitstäglich aufgesucht. Bedingt durch die regelmäßig stattfindende mehrtägige Fahrtätigkeit habe sich der Fahrer tatsächlich und entsprechend den Vorgaben des Arbeitgebers nur etwa jeden zweiten oder dritten Tag am Firmensitz eingefunden. Von 242 Arbeitstagen habe er seine Fahrtätigkeit lediglich an 114 Tagen am Firmensitz begonnen. Somit habe er den Firmensitz gerade nicht typischerweise arbeitstäglich aufgesucht.

Zurück zur Übersicht

Die Fachnachrichten in der Infothek werden Ihnen von der Redaktion Steuern & Recht der DATEV eG zur Verfügung gestellt.