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Steuern / Einkommensteuer 
Freitag, 17.11.2017

Mindestens 10 %-ige Zeitersparnis als Voraussetzung für offensichtlich verkehrsgünstigere Verkehrsverbindung

Zur Ermittlung der Entfernungspauschale ist eine vom Arbeitnehmer benutzte Straßenverbindung nicht als offensichtlich verkehrsgünstiger als die kürzeste Verbindung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte anzusehen, wenn sie nicht zu einer mindestens 10 %-igen Zeitersparnis oder zu anderweitigen Vorteilen im Vergleich zur kürzesten Strecke führt. So entschied das Finanzgericht Berlin-Brandenburg (Az. 7 K 7134/15).

Im vorliegenden Fall war die anzusetzende Entfernung bei den Werbungskosten eines Steuerpflichtigen streitig. Dieser hatte die Entfernungspauschale bei seinen Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte geltend gemacht. Er gab 26 km an. Das Finanzamt ermittelte anhand eines Routenplaners eine Entfernung von lediglich 20 km und legte diese der Besteuerung zugrunde.

Das Gericht entschied, dass eine Straßenverbindung nur dann als verkehrsgünstiger und somit als kürzeste Verbindung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte anzusehen ist, wenn der Arbeitnehmer eine andere – längere – Straßenverbindung nutzt und die Arbeitsstätte auf diese Weise trotz gelegentlicher Verkehrsstörungen in der Regel schneller und pünktlicher erreicht. Offensichtlich verkehrsgünstiger sei die gewählte Straßenverbindung dann, wenn ihre Vorteilhaftigkeit so auf der Hand liege, dass sich auch ein unvoreingenommener, verständiger Verkehrsteilnehmer unter den gegebenen Verkehrsverhältnissen für die Benutzung der Strecke entschieden hätte. Zu vergleichen seien die kürzeste und die vom Arbeitnehmer regelmäßig benutzte längere Straßenverbindung. Weitere mögliche, tatsächlich aber nicht benutzte Fahrstrecken blieben hingegen unberücksichtigt. Konkrete zeitliche Vorgaben, die erfüllt sein müssten, um eine Straßenverbindung als “offensichtlich verkehrsgünstiger” als die kürzeste Fahrroute anzusehen, seien nicht vorgegeben. Wenn aber nur eine geringfügige Verkürzung von unter 10 % zu erwarten sei, spreche viel dafür, dass diese minimale Zeitersparnis allein keinen ausschlaggebenden Anreiz darstellen dürfte, diese Strecke als abweichende Route zu wählen. Eine Straßenverbindung könne auch dann “offensichtlich verkehrsgünstiger” sein, wenn sich dies aus Umständen wie Streckenführung, Schaltung von Ampeln o. Ä. ergebe. Dann könne eine “offensichtlich verkehrsgünstigere” Straßenverbindung auch vorliegen, wenn nur eine relativ geringe oder gar keine Zeitersparnis zu erwarten ist, sich die Strecke jedoch aufgrund anderer Umstände als verkehrsgünstiger erweise als die kürzeste Verbindung.

Im vorliegenden Fall habe das Gericht für die vom Steuerpflichtigen genutzte Strecke nicht feststellen können, dass diese “offensichtlich verkehrsgünstiger” als die kürzeste Fahrroute gewesen wäre.

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