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Recht / Zivilrecht 
Dienstag, 21.11.2017

Wohngebäudeversicherung: Übernahme von Kosten für Baumfällung nach einem Sturm

Das Amtsgericht München entschied, dass es vom Wortlaut der Versicherungsbedingungen abhängt, ob die Kosten für die Fällung eines bruchgefährdeten Baumes auf einem Nachbargrundstück von der Wohngebäudeversicherung bezahlt werden (Az. 155 C 510/17).

Im vorliegenden Fall lockerte ein Sturm Ende März 2015 den Wurzelballen einer auf dem Grundstück der Klägerin stehenden Scheinzypresse derart, dass diese in Schieflage geriet und drohte, auf das Haus der Klägerin zu fallen. Von der Lokalbaukommission München wurde die Fällung des Baumes wegen akuter Umsturz- bzw. Bruchgefahr genehmigt und festgestellt, dass eine umgehende Fällung des Baumes aufgrund der Gefahrenlage erforderlich war. Nachdem die Klägerin den Baum Anfang Mai 2015 fällen und entsorgen ließ, verlangte sie von ihrer Wohngebäudeversicherung die Kosten für die Baumfällung und die Gebühren für den Bescheid der Lokalbaukommission ersetzt. Der Sturm und die dadurch verursachte Schieflage des Baumes im Zeitraum vor dessen Beseitigung sei ein von der Versicherung umfasster Schadensfall. Nachdem die Versicherung die Schadensregulierung ablehnte, erhob die Klägerin Klage.

Das AG München wies die Klage ab. Nach Auffassung des Gerichts ist ein Versicherungsfall im Streitfall nach dem Wortlaut der Versicherungsvereinbarung noch nicht eingetreten, da der gefällte Baum durch das zwischen den Parteien unstreitige Sturmereignis weder vollständig umgestürzt war, noch das versicherte Gebäude beschädigt hat. Nach dem Wortlaut der Versicherungsbedingungen seien Schäden ersatzfähig die dadurch “entstehen, dass der Sturm (…), Bäume (…) auf versicherte Sachen wirft”. Der Baum habe sich vorliegend infolge des Sturmes jedoch aufgrund des gelockerten Wurzelballens nur in Schieflage über dem Haus der Klägerin gefunden und sei nicht auf das Gebäude geworfen worden. Zwar seien nach den Versicherungsbedingungen auch Maßnahmen zu ersetzen, die der Versicherungsnehmer zur Abwendung eines unmittelbar drohenden versicherten Schadens oder Minderung des Schadens, für sachgerecht halten durfte. Von einem unmittelbar bevorstehenden (erneuten) Versicherungsfall, also ein Umsturz oder Bruch gerade und nur durch einen neuen Sturm, könne aber nicht ausgegangen werden. Dass sich der Baum bereits gute zwei Monate in Schwebelage über dem Haus der Klägerin befand, sei kein hinreichendes Argument gegen einen zu erwartenden Umsturz etwa aus eigener Schwerkraft.

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