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Recht / Zivilrecht 
Mittwoch, 22.11.2017

Tierarzt muss bei fehlerhafter Kastration eines Pferdes Nachbehandlungskosten übernehmen

Das Amtsgericht Ansbach entschied, dass ein Tierarzt wegen fehlerhafter Kastration eines Pferdes Nachbehandlungskosten i. H. v. ca. 1.300 Euro übernehmen muss (Az. 3 C 78/15).

Der Tierarzt hatte die Kastration am stehenden Pferd ausgeführt und die OP-Wunden anschließend mit zwei großen Metallklammern verschlossen. Diese Metallklammern wurden in der Folgezeit vom Pferdestallbesitzer im Auftrag des Tierarztes entfernt, eine tierärztliche Nachkontrolle beim Entfernen dieser Klammern erfolgte nicht. In der darauffolgenden Zeit trat bei dem Pferd dann eine Wundheilungsstörung in Form einer sog. Samenstrangfistel auf. Es wurden deshalb Nachbehandlungen des Pferdes notwendig. Diese Kosten verlangte der Pferdebesitzer von dem Tierarzt. Die von ihm durchgeführte Art und Weise der Kastration sei unsachgemäß und besonders risikoreich gewesen. Eine entsprechende Aufklärung über die Risiken einer solchen Kastration habe nicht stattgefunden. Außerdem wäre beim Entfernen der Metallklammern eine weitere tierärztliche Kontrolle notwendig gewesen.

Das Gericht hatte zur Frage einer möglichen Verletzung der tierärztlichen Sorgfalts- und Aufklärungspflichten, der Frage über die Ursache der Fistelbildung sowie zur Frage der Fehlerhaftigkeit der durchgeführten Operation ein tierärztliches Sachverständigengutachten in Auftrag gegeben. Daraus ging hervor, dass Ursache für die Fistelbildung ein zu langer Samenstrangstumpf und/oder ein operationstechnisch nicht ausreichendes Kürzen der Gewebeteile sei. Bei der gewählten Operationsmethode bestehe ein massiv erhöhtes Infektionsrisiko in dessen Verlauf es zu Wundheilungsstörungen und Fistelbildungen kommen könne. Die angewandte Kastrationsmethode entspreche nicht dem aktuellen Stand in der Tiermedizin. Außerdem hätte zum Zeitpunkt der Entfernung der Metallklammern eine tierärztliche Kontrolle stattfinden müssen, um frühzeitig mögliche Komplikationen zu erkennen. Daher entschied das Gericht, dass die von dem Tierarzt durchgeführte Kastration am stehenden Pferd nicht den Regeln der tierärztlichen Kunst entsprochen und er deshalb die entstandenen Nachbehandlungskosten dem Pferdebesitzer zu erstatten habe.

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