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Steuern / Einkommensteuer 
Montag, 06.11.2017

Kosten für häuslichen Notfall-Behandlungsraum einer Ärztin nicht abzugsfähig

Das Finanzgericht Münster entschied, dass Kosten für einen für Notfälle eingerichteten Behandlungsraum im privaten Wohnhaus einer Ärztin, der über keinen gesonderten Zugang verfügt, dem Abzugsverbot für ein häusliches Arbeitszimmer unterliegen (Az. 6 K 2606/15).

Im vorliegenden Fall war die Klägerin als Augenärztin an einer Gemeinschaftspraxis beteiligt. Zur Behandlung von Notfällen hatte sie im Keller ihres privaten Wohnhauses einen Raum mit Klappliege, Sehtafel, Medizinschrank, mehreren Stühlen und medizinischen Hilfsmitteln eingerichtet. Einen gesonderten Zugang zu diesem Raum gab es nicht, denn er war nur vom Flur des Wohnhauses aus erreichbar. Die Klägerin machte die Aufwendungen für den Behandlungsraum als Sonderbetriebsausgaben im Rahmen der Feststellungserklärung der Gemeinschaftspraxis geltend. Das Finanzamt erkannte diese Aufwendungen nicht an, weil der Raum ein häusliches Arbeitszimmer darstelle.

Das Gericht hielt die Entscheidung des Finanzamts für rechtmäßig. Die anteiligen Aufwendungen für den Behandlungsraum seien zwar betrieblich veranlasst, unterlägen jedoch dem Abzugsverbot für häusliche Arbeitszimmer. Eine ärztliche Notfallpraxis, die als betriebsstättenähnlicher Raum einzuordnen wäre, liege hier nicht vor, weil die Räumlichkeiten nicht über einen separaten Eingang zugänglich seien. Die Patienten müssten hingegen die privaten Räumlichkeiten der Klägerin durchqueren. Auf das Merkmal der leichten Zugänglichkeit sei auch nicht deshalb zu verzichten, weil der Raum nicht wie ein typisches Arbeitszimmer büromäßig eingerichtet sei. Durch die Einbindung in die Sphäre der Lebensführung könne eine private Mitbenutzung nicht ausgeschlossen werden. Der Klägerin würden in den Räumlichkeiten der Gemeinschaftspraxis unstreitig Behandlungsräume zur Verfügung stehen. Daher seien die Aufwendungen auch nicht begrenzt abzugsfähig.

Die Klägerin legte gegen das Urteil Revision ein (BFH-Az. VIII R 11/17).

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