Infothek

Zurück zur Übersicht
Steuern / Einkommensteuer 
Mittwoch, 25.10.2017

Abzweigung von Kindergeld auch an Minderjährige möglich

Das Finanzgericht Schleswig-Holstein entschied, dass die Ablehnung der Abzweigung des Kindergeldes an das Kind selbst wegen Minderjährigkeit rechtswidrig ist, da die Volljährigkeit kein gesetzliches Tatbestandsmerkmal des § 74 Abs. 1 EStG ist (Az. 2 K 217/16).

Im vorliegenden Fall begehrte die am 1. August 2000 geborene Klägerin die Abzweigung von Kindergeld für den Monat August 2016 an sich selbst. Die Kindesmutter hatte im Juni 2016 die sofortige Einstellung der Kindergeldzahlung und die Überweisung an das Jugendamt C beantragt, da sie die elterliche Sorge an das Jugendamt abgegeben hatte. Die Eltern gewähren der Klägerin keinen Unterhalt. Da die Zahlung des Kindergeldes ab August 2016 eingestellt wurde, beantragte der Vormund der Klägerin für diese die Abzweigung des Kindergeldes nach § 74 EStG. Die Familienkasse lehnte dies ab. Es sei nur möglich, wenn das Kind volljährig sei und für sich selbst sorge.

Das Finanzgericht gab der Klage statt, denn § 74 Abs. 1 EStG eröffne der Familienkasse die Möglichkeit, das Kindergeld an eine andere Person als den Kindergeldberechtigten, insbesondere auch an das Kind selbst, auszuzahlen. Diese Möglichkeit müsse zur Durchsetzung der Zweckbestimmung des Kindergeldes im Falle von volljährigen und minderjährigen Kindern bestehen, so das Gericht.

Zurück zur Übersicht

Die Fachnachrichten in der Infothek werden Ihnen von der Redaktion Steuern & Recht der DATEV eG zur Verfügung gestellt.