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Recht / Zivilrecht 
Donnerstag, 02.11.2017

Reitbeteiligung: Tierhalterhaftung bei Unfällen

Das Oberlandesgericht Nürnberg entschied, dass ein Pferdehalter auch bei einer Reitbeteiligung für Unfälle haftet, welche durch das Pferd verursacht werden (Az. 4 U 1162/13). Die Tatsache, dass eine Pferdehalterin mit einer Reiterin eine sog. Reitbeteiligung abgeschlossen hat, ändere nichts an der Haltereigenschaft. Auch sei nicht ohne Weiteres davon auszugehen, dass in diesen Fällen ein stillschweigender Haftungsausschluss zwischen Halterin und Reiterin vereinbart wurde.

Im vorliegenden Fall hatte die gesetzliche Krankenversicherung der geschädigten Reiterin geklagt. Diese hatte mit der beklagten Eigentümerin des Pferdes eine Vereinbarung abgeschlossen, wonach sie deren Pferd an drei Tagen pro Woche gegen Bezahlung nach Belieben ausreiten durfte. Bei einem Ausritt auf der Koppel stürzte die Geschädigte vom Pferd und erlitt eine Querschnittslähmung, wobei das Verhalten des Pferdes für das Unglück ursächlich war. Die Reitbeteiligung war von der Haftpflichtversicherung der Beklagten nicht erfasst.

Das OLG Nürnberg bejahte eine Haftung der beklagten Pferdeeigentümerin, nahm aber nur eine Haftungsquote von 50 % an. Eine Reitbeteiligung ändere nichts daran, dass die Beklagte zum Unfallzeitpunkt alleinige Halterin des Pferdes war. Sie habe das Bestimmungsrecht über das Pferd und trage sämtliche Aufwendungen, wie etwa für tierärztliche Behandlungen, Versicherung oder Futter. Nach Ansicht des Gerichts kommt es für die Haftung des Tierhalters alleine darauf an, ob sich eine spezifische Tiergefahr verwirklicht hat. Dies sei im Streitfall gegeben, da das Pferd ohne Grund plötzlich losgerannt sei und es deshalb zu dem Unglück kam. Des Weiteren sei kein Haftungsausschluss zwischen der Geschädigten und der Beklagten vereinbart worden. Die Beklagte hafte jedoch nur mit einer Quote von 50 %, da sie im Moment des Unfalls Tieraufseherin gewesen sei und somit eine gesetzliche Vermutung dafür bestehe, dass die Geschädigte ein Sorgfaltsverstoß treffe und dieser auch für den Schaden ursächlich geworden sei.

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