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Recht / Sonstige 
Freitag, 27.10.2017

Fundbüro muss Behandlungskosten für "Fundkatzen" übernehmen

Das Verwaltungsgericht Koblenz hat einer Tierarztpraxis die Erstattung von Kosten für die Behandlung sog. Fundkatzen zugesprochen. Die Verbandsgemeinde müsse als Trägerin der Fundbehörde die Zahlung übernehmen (Az. 2 K 533/17).

Einer Tierarztpraxis waren im Laufe des Jahres 2016 drei verletzte Katzen gebracht worden, die sie behandelte und versorgte. Wegen der Tierarztkosten von ca. 2.000 Euro wandte sie sich an die Verbandsgemeinde als Trägerin der Fundbehörde. Diese befragte u. a. die Finderinnen und lehnte dann eine Kostenerstattung ab, weil die Tiere keine Fundkatzen seien, sondern herrenlos. Die Tierarztpraxis machte mit ihrer Klage geltend, keine der Katzen sei verwildert, allerdings sei der Gesundheitszustand verletzungsbedingt sehr schlecht gewesen.

Das Gericht gab der Klägerin Recht. Sie habe mit der Entgegennahme und medizinischen Behandlung der Katzen jeweils ein Geschäft der Beklagten in ihrer Funktion als Fundbehörde geführt. Die Fundvorschriften seien auf Tiere anwendbar. Diese seien zwar keine Sachen, auf sie seien aber die für Sachen geltenden Vorschriften entsprechend anzuwenden. Die Katzen hätten auch die Eigenschaft von Fundtieren gehabt. Allein die Tatsache, dass eine Hauskatze ohne ihren Besitzer oder Eigentümer unterwegs sei oder sich von ihrem Zuhause bzw. ihrem Revier entfernt habe, sei zwar kein Indiz dafür, dass sie herrenlos sei. Dies schließe allerdings die Existenz von herrenlosen Hauskatzen nicht aus. Als solche könnten sog. Wildlinge angesehen werden, also eigenständig lebende Tiere, die sich durch scheues, zurückgezogenes Verhalten auszeichneten, die sich in der Regel nicht anfassen ließen und nur mit einer Falle eingefangen werden könnten.

Dass es sich bei den drei Katzen um Wildlinge gehandelt habe, sei nicht ersichtlich gewesen. Ein Kater sei mittels Mikrochip gekennzeichnet gewesen und habe ein Halsband getragen. Den anderen Kater habe die Finderin selbst zur Tierklinik gebracht, nachdem er lange Zeit im Bereich eines von Menschen bewohnten Anwesens herumgestreunt sei. Das lasse darauf schließen, dass er den Kontakt zu Menschen bzw. zu menschlichen Behausungen suche. Das dritte Tier sei nach fünfwöchiger Behandlung und stationärem Aufenthalt bei der Klägerin ins Tierheim aufgenommen, anschließend in einer Pflegestelle untergebracht und von dort aus vermittelt worden. Dies wäre nicht möglich gewesen, wenn es sich tatsächlich um einen Wildling gehandelt hätte.

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