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Steuern / Einkommensteuer 
Donnerstag, 19.10.2017

Sofortabzug für Kosten zur Beseitigung von mutwillig herbeigeführter Substanzschäden durch Mieter

Der Bundesfinanzhof entschied, dass die Aufwendungen zur Beseitigung eines Substanzschadens, der nach Anschaffung einer vermieteten Immobilie durch das schuldhafte Handeln des Mieters verursacht worden ist, als Werbungskosten sofort abziehbar sein können (Az. IX R 6/16). In diesen Fällen handele es sich nicht um sog. “anschaffungsnahe Herstellungskosten” (§ 6 Abs. 1 Nr. 1a Satz 1 EStG).

Im vorliegenden Fall hatte die Klägerin eine vermietete Eigentumswohnung in einem mangelfreien Zustand erworben. Als die Mieterin die Leistung fälliger Nebenkostenzahlungen verweigerte, kündigte die Klägerin das Mietverhältnis. Die Mieterin hinterließ die Wohnung mit umfangreichen Schäden, wie eingeschlagene Scheiben an Türen, Schimmelbefall an Wänden und zerstörte Bodenfliesen. Weil die Mieterin einen Rohrbruch im Badezimmer nicht gemeldet hatte, war es dadurch zu Folgeschäden gekommen. In der Einkommensteuererklärung machte die Klägerin die Beseitigungskosten von rund 20.000 Euro als sofort abzugsfähigen Erhaltungsaufwand geltend. Mangels Zahlungsfähigkeit der Mieterin habe die Klägerin keine Ersatzansprüche gegen diese durchsetzen können. Das Finanzamt versagte den Sofortabzug der Kosten. Es würde sich um sog. “anschaffungsnahe Herstellungskosten” handeln.

Der BFH gab der Klägerin Recht. Kosten für (unvermutete) Instandsetzungsmaßnahmen zur Beseitigung eines Schadens, der im Zeitpunkt der Anschaffung nicht vorhanden, sondern nachweislich erst zu einem späteren Zeitpunkt durch das schuldhafte Handeln des Mieters am Gebäude verursacht worden sei, seien nicht den anschaffungsnahen Herstellungskosten zuzuordnen. Solche Aufwendungen können als sog. “Erhaltungsaufwand” und damit als Werbungskosten sofort abgezogen werden.

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