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Recht / Zivilrecht 
Sonntag, 15.10.2017

Schwimmbadbetreiber und Bademeister haften bei tödlich verlaufenem Unfall nach Sprung ins Schwimmbecken überwiegend

Das Oberlandesgericht Stuttgart bestätigte die Haftung des Betreibers des Freibades und des Bademeisters für einen tödlich verlaufenen Unfall eines Badegastes nach dem Sprung von der 5m-Plattform. Beide hätten die sie treffende Verkehrssicherungspflicht verletzt. Allerdings sei die Haftung um 25 % wegen des Mitverschuldens des tödlich verunglückten Badegastes zu mindern (Az. 2 U 11/17).

Das betreffende Bad verfügte über einen Sprungturm mit drei übereinander liegenden Sprungplattformen in 5, 7,5 und 10 m Höhe. Die höher liegenden Sprungplattformen überragten die jeweils darunter liegende Plattform um etwa 0,5 bis 1 m. Die Reihenfolge, in der von den verschiedenen Ebenen des Sprungturms gesprungen wurde, regelten die Badegäste in eigener Regie durch Zuruf. Ein Mann war von der 5-Meter-Plattform gesprungen, nachdem er gerufen hatte “5er springt”. Unmittelbar danach sprang jedoch ein anderer Badegast mit einem Kopfsprung von der 10-Meter-Plattform, weil er den Ruf des ersten Springers nicht gehört hatte. Beim Eintauchen in das Becken prallte er mit der Schulter gegen den Kopf des Mannes. Dieser erlitt dabei schwere Hirnverletzungen, an denen er am Folgetag verstarb. Dessen Ehefrau und die zwei minderjährigen Kinder des tödlich Verunglückten machten mit ihrer Klage Beerdigungskosten und Unterhaltsansprüche geltend.

Das Gericht hielt die Haftung des Betreibers des Schwimmbads und des Bademeisters zu 75 % für begründet. Die Freigabe des Sprungbetriebs von allen drei Sprungebenen gleichzeitig sei jedenfalls dann fahrlässig gewesen, wenn die Organisation des Sprungbetriebs den Springern selbst überlassen blieb. In dem Umstand, dass der Ehemann der Klägerin trotz der offenkundigen Gefährlichkeit am Sprungbetrieb teilgenommen hat, sei allerdings ein Mitverschulden zu sehen, das mit 25 % zu bewerten sei.

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