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Recht / Zivilrecht 
Mittwoch, 27.09.2017

Hundehalterin haftet nach Pfiffen mit der Hundepfeife nicht für Sturz eines Reiters

Eine Hundehalterin muss nicht für die Folgen eines Reitunfalls haften, wenn der Geschädigte nicht beweisen kann, dass das Durchgehen des Pferdes durch den Hund verursacht wurde. Ein Zurückpfeifen des Hundes mit der Hundepfeife ist sozialadäquat. So entschied das Oberlandesgericht Karlsruhe (Az. 7 U 200/16).

Im vorliegenden Fall wurden der Kläger und seine Begleiterin bei einem Ausritt von ihren Pferden abgeworfen und erlitten Verletzungen. Eine Hundehalterin hatte ihren Hund ausgeführt. Der freilaufende Hund war den Pferden gefolgt. Die Hundehalterin pfiff zunächst einmal, dann noch mindestens ein weiteres Mal mit der Hundepfeife, um den Hund zur Umkehr zu bewegen. Dies gelang, allerdings gingen die Pferde des Klägers und seiner Begleiterin durch und warfen beide Reiter ab. Der Kläger behauptet, die Pferde hätten wegen der Pfiffe der Beklagten und wegen des herannahenden Hundes der Beklagten gescheut. Die Hundehalterin müsse daher für die Unfallfolgen haften.

Das OLG stufte die Pfiffe mit der Hundepfeife jedoch als angemessene und naheliegende Reaktion auf das Verhalten des Hundes ein. Es konnte nicht festgestellt werden, dass die Hundehalterin eine Schreckreaktion der Pferde auf die Pfiffe wahrgenommen hat. Die Hundehalterin haftet auch nicht nach den gesetzlichen Regelungen der Tierhalterhaftung für die Folgen des Unfalls, denn der Kläger habe nicht beweisen können, dass das Durchgehen der Pferde durch den Hund verursacht wurde. Grund für die Reaktion der Pferde seien vielmehr die Pfiffe der beklagten Hundehalterin gewesen, die in der konkreten Situation aber sozialadäquat gewesen seien.

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