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Recht / Zivilrecht 
Donnerstag, 21.09.2017

Fluggesellschaft informiert Fluggast bei Verspätung nicht über ihm zustehende Rechte - Anspruch auf Übernahme von Rechtsanwaltskosten

Kommt es zu einer Flugverspätung, weil die Fluggesellschaft witterungsbedingt ihren Flugplan ändert, steht einem davon betroffenen Fluggast ein Anspruch auf Ausgleichszahlung zu. Die betriebswirtschaftliche Entscheidung zur Umplanung des Flugbetriebs stellt keinen außergewöhnlichen Umstand dar. Das Amtsgericht Hannover entschied, dass ein Fluggast neben dem Anspruch auf die Ausgleichszahlung auch Kostenübernahme der außergerichtlichen Anwaltskosten verlangen kann, wenn die Fluggesellschaft nicht über die Rechte bei der Verspätung informiert hatte (Az. 450 C 2336/16).

Im vorliegenden Fall hatte die Fluggesellschaft wegen Schlechtwetters ihre Flüge umplanen müssen. Durch die Umplanung konnte ein Flug von Las Palmas nach Hannover nicht pünktlich durchgeführt werden. Der Flug erreichte sein Ziel mit einer Verspätung von mehr als sieben Stunden. Dabei konnte die Fluggesellschaft nicht beweisen, dass sie alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen hatte, um eine Verspätung abzuwenden. Sie gab den Fluggästen auch keinen schriftlichen Hinweis über ihnen zustehende Rechte. Der Kläger hatte außergerichtlich einen Anwalt in Anspruch genommen, um sich über seine Rechte zu informieren.

Das Gericht verurteilte die Fluggesellschaft wegen der von ihr zu vertretenden erheblichen Verspätung zu einer Ausgleichszahlung von 600 Euro. Zudem müsse sie die außergerichtlichen Kosten für den Rechtsbeistand in Höhe von 255,85 Euro übernehmen, denn der Fluggast habe von der Fluggesellschaft keinen schriftlichen Hinweis über die ihm zustehende Rechte erhalten und habe sich daher anwaltlich beraten lassen dürfen.

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