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Recht / Arbeits-/Sozialrecht 
Mittwoch, 20.09.2017

Wegeunfall: Zwei Jahre später keine Kostenerstattung mehr für Heilbehandlung bei Zerrung der HWS leichter Art

Das Sozialgericht Stuttgart entschied, dass kein weitergehender Anspruch auf Heilbehandlung gegenüber der Berufsgenossenschaft für das Jahr 2014 besteht, wenn der versicherte Arbeitnehmer in 2012 auf dem Arbeitsweg bei einem Auffahrunfall nur eine Zerrung der Halswirbelsäule (HWS) leichter Art erlitten hat. Für derartige Verletzungen sei durchschnittlich nur von einer Behandlungsbedürftigkeit von 4 Wochen auszugehen (Az. S 1 U 3077/15).

Das Gericht wies die Klage ab. Der Kläger habe keinen Anspruch auf unfallbedingte Heilbehandlung bzw. deren Kostenerstattung im Jahr 2014. Aus den Ermittlungen folge, dass es sich bei dem zwei Jahre vorher stattgefundenen Auffahrunfall um einen Kleinstunfall gehandelt habe, der nach den ärztlichen Befunden lediglich eine verheilte Zerrung der Halswirbelsäule ohne knöcherne Verletzung verursacht habe.

Nach der klinischen und morphologischen Klassifikation von Störungen bei HWS-Distorsionen sei eine leichte Distorsion dahingehend definiert, dass bei ihr Schmerzen der Halsmuskulatur und/oder HWS, die bewegungseingeschränkt sein könne, meist nach einem Intervall (steifer Hals) vorlägen. Ein symptomfreies Intervall sei dabei häufig und dauere meist mehr als 1 Stunde, maximal 48 Stunden, typischerweise 12 – 16 Stunden an. Danach träten Beschwerden mit einer Dauer von Tagen bis Wochen, in der Regel weniger als 1 Monat, auf. Die Dauer der Arbeitsunfähigkeit werde mit 0 – 4 Wochen angenommen. Neurologisch träten keine Ausfälle auf, evtl. eine Bewegungseinschränkung der HWS. Wenn man diese Klassifikation mit den nachgewiesenen Befunden beim Kläger vergleiche, stimmten diese im Wesentlichen überein. Der Kläger habe selbst ausdrücklich angegeben, dass er lediglich 16 Tage arbeitsunfähig erkrankt gewesen sei, was ein Arztbericht bestätigte. Der behandelnde Orthopäde habe angegeben, dass bei seiner letzten Untersuchung im Oktober 2014 die Beweglichkeit der HWS beim Kläger nicht mehr eingeschränkt gewesen sei und dieser über Nackenschmerzen nur noch hauptsächlich nach Anstrengungen, insbesondere nach bereits kurzem Joggen, geklagt habe.

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