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Recht / Arbeits-/Sozialrecht 
Montag, 18.09.2017

Kein Verletztengeld von gesetzlicher Unfallversicherung - Isolierter Tinnitus nicht Folge eines Arbeitsunfalls

Ein Anspruch auf Zahlung von Verletztengeld aus Mitteln der gesetzlichen Unfallversicherung setzt u. a. voraus, dass der Versicherte “infolge” eines Arbeitsunfalls arbeitsunfähig krank ist. Daher besteht kein Anspruch bei einem isolierten Tinnitus. So entschied das Sozialgericht Karlsruhe (Az. S 1 U 2602/16).

Im vorliegenden Fall hatte der Kläger am 20.10.2014 als Fahrer eines Motorrollers auf einer Fahrt für seinen Arbeitgeber einen Verkehrsunfall mit Prellung des rechten Knies, Verstauchung und Zerrung des rechten Sprunggelenks und oberflächlichen Schürfwunden erlitten. Erstmals rund drei Wochen nach dem Unfall gab der Kläger seit dem Unfall bestehende Ohrgeräusche und Schwindelerscheinungen an. Nach medizinischer Sachaufklärung lehnte die Berufsgenossenschaft die Zahlung von Verletztengeld über den 31.03.2016 hinaus ab, weil die orthopädisch-chirurgischen Unfallfolgen bereits seit November 2015 folgenlos ausgeheilt seien. Die Beschwerden durch einen Tinnitus seien nicht mit Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis zurückzuführen.

Das Gericht gab der Berufsgenossenschaft Recht. Ein Anspruch auf Zahlung von Verletztengeld hätte vorausgesetzt, dass der Versicherte “infolge” des Arbeitsunfalls arbeitsunfähig krank sei. Nach dem Ergebnis von medizinischen Sachverständigengutachten seien die Ohrgeräusche, weswegen der Kläger weiterhin arbeitsunfähig krank sei, nicht mit Wahrscheinlichkeit ursächlich auf den Arbeitsunfall vom Oktober 2014 zurückzuführen. Dagegen spreche bereits das beschwerdefreie Intervall von rund drei Wochen zwischen dem Unfall und dem erstmaligen Beschwerdevorbringen des Klägers in Bezug auf Ohrgeräusche. Ein “traumatischer Tinnitus” setze nach medizinisch-wissenschaftlichem Erkenntnisstand zwingend den hier nicht gegebenen Nachweis weiterer unfallbedingter Störungen des Innenohrs in Form von Hörminderung oder einer Schädigung des Gleichgewichtsorgans voraus. Einen isolierten traumatischen Tinnitus gebe es nicht.

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