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Recht / Zivilrecht 
Donnerstag, 14.09.2017

Betreuungsunterhalt wegen erhöhtem Förderbedarf eines autistischen Kindes auch bei fortgeschrittenem Alter des Kindes

Auch bei fortgeschrittenem Alter eines autistischen Kindes besteht keine Verpflichtung der Kindesmutter zur Vollzeittätigkeit, wenn ein deutlich erhöhter Förderungsbedarf des Kindes besteht. Die Kindesmutter kann in diesem Fall Betreuungsunterhalt beanspruchen. So entschied das Oberlandesgericht Hamm (Az. 6 WF 19/16).

Im vorliegenden Fall wollte ein getrennt lebender Vater den Betreuungsunterhalt für seinen Sohn in Höhe von rund 590 Euro pro Monat nicht mehr zahlen. Der im Jahr 2000 geborene Junge hatte Autismus und litt unter Neurodermitis sowie Migräne. Er besuchte die Schule sowie alle zwei Wochen ein Autismuszentrum zur Therapie. Die alleinerziehende Mutter arbeitete 16 Stunden pro Woche und bekam nachehelichen Unterhalt. Der Vater meinte, die Mutter könne aufgrund der Fremdbetreuung des Sohnes voll arbeiten.

Das Gericht vertrat jedoch die Auffassung, dass trotz der Möglichkeit einer Fremdbetreuung krankheitsbedingt ein erhöhter Förderbedarf bei dem Jungen bestehe. Es errechnete eine wöchentliche Mehrbelastung von 13,5 Stunden. Die Mutter sei zudem eine wichtige Bezugsperson für das Kind, das aufgrund des Autismus sonst kaum soziale Kontakte habe. Somit sei für die Frau nicht mehr als eine Zweidrittelstelle zumutbar. Auf Grundlage der möglichen Einkünfte bestehe daher weiterhin ein Unterhaltsanspruch von 470 Euro pro Monat.

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