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Recht / Zivilrecht 
Freitag, 08.09.2017

Schmerzensgeld wegen Nichterkennung eines Kompartmentsyndroms

Das OLG Hamm entschied, dass ein mit der Nachsorge betrauter Hausarzt seinem Patienten ein Schmerzensgeld in Höhe von 50.000 Euro zahlen muss, wenn er nach einer unfallbedingten Gipsschienenbehandlung bei dem Patienten Symptome eines Kompartmentsyndroms grob fahrlässig übersehen und der Patient infolge des Arztfehlers seinen betroffenen Unterarm verloren hat (Az. 26 U 59/16).

Im vorliegenden Fall erlitt der Kläger bei einem Unfall ein Anpralltrauma am rechten Unterarm. Der Unterarm sowie die Hand wurden durch eine Gipsschiene ruhiggestellt. Eine Woche nach dem Unfall zeigten sich am rechten Unterarm eine deutliche Schwellung, ein Hämatom und eine Bewegungsminderung. Der mit der Nachsorge betraute Hausarzt ließ die Gipsschiene erneuern und verordnete ein Schmerzmittel. Tage später wurde der Kläger in eine Klinik überwiesen und musste wegen eines fortgeschrittenen Kompartmentsyndroms operiert werden. Dabei musste der rechte Unterarm des Klägers amputiert werden. Der Kläger verlangte Schadensersatz, u. a. ein Schmerzensgeld von 50.000 Euro vom beklagten Hausarzt.

Das OLG Hamm gab der Klage statt. Der den Kläger behandelnde Hausarzt hätte im Rahmen der Nachsorge ca. eine Woche nach dem Unfall die Möglichkeit eines Kompartmentsyndroms abklären lassen müssen. Dieses Versäumnis sei im vorliegenden Fall als grob behandlungsfehlerhaft zu bewerten.

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