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Recht / Zivilrecht 
Dienstag, 05.09.2017

Schmerzensgeld bei Verbrühungen bei Zusammenstoß im Gedränge vor einem Ausschank

Transportiert jemand ein Heißgetränk im Gedränge vor einem Ausschank und verbrüht beim Zusammenstoß eine andere Person, ist er zwar verpflichtet, ggf. Schmerzensgeld zu zahlen, der Anspruch kann sich jedoch bei einem Mitverschulden verringern. Darauf wies das Amtsgericht Augsburg hin (Az. 73 C 4068/16).

Im vorliegenden Fall konnte das Gericht nicht mehr vollständig aufklären, wie es zur Verbrühung der Klägerin kam. Fest stand nur, dass die Beklagte in der einen Hand eine Cola und in der anderen Hand einen heißen Tee vom Ausschank wegtrug und nach ihrer Tochter suchte. Die Klägerin hielt ebenfalls Ausschau nach Bekannten. Beide stießen zusammen und der heiße Tee schwappte auf den Arm der Klägerin. Diese erlitt Verbrühungen und verlangte deswegen 1.500 Euro Schmerzensgeld, da sie von der Beklagten angerempelt worden sei. Wochenlang habe sie erhebliche Schmerzen aushalten müssen und es sei eine Narbe geblieben.

Das Gericht entschied, dass beide Beteiligten den Zusammenstoß in gleichem Maße verursacht hatten, da beide unaufmerksam gewesen waren. Bei Gedränge vor einem Ausschank müsse der Transport von einem Heißgetränk mit besonderer Vorsicht erfolgen, um nicht sich selbst oder andere Gäste zu verbrühen. Die Verursacherin müsse daher Schmerzensgeld zahlen, allerdings liege ein hälftiges Mitverschulden der Geschädigten vor. Dass die Klägerin einige Wochen Schmerzen hatte, sei nachvollziehbar. Allerdings sei die Narbe kaum noch zu sehen. Ein Schmerzensgeldanspruch bestehe daher nur in Höhe von 1.100 Euro, letztlich auf die Hälfte reduziert, nämlich 550 Euro.

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