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Recht / Zivilrecht 
Mittwoch, 16.08.2017

Verspätete Ankunft des Reisegepäcks auf Kreuzfahrt: Nur Reisepreisminderung von 20 bis 30 % pro Urlaubstag angemessen

Das Amtsgericht Rostock entschied, dass die verspätete Ankunft des Reisegepäcks eine Reisepreisminderung von 20 bis 30 % pro betroffenem Urlaubstag rechtfertigt. Eine höhere Minderung von 50 % komme nur in Ausnahmefällen in Betracht (Az. 47 C 103/16).

Im vorliegenden Fall hatte ein Ehepaar eine 15-tägige Schiffsreise entlang der US-Küste gebucht. Da der Koffer der Ehefrau aufgrund der verspäteten Beförderung durch die Fluggesellschaft erst neun Tage nach Abfahrt des Schiffes eintraf, machte die Ehefrau eine Minderung des Reisepreises geltend. Die Reiseveranstalterin wies die Forderung zurück und verwies auf die bereits wegen des fehlenden Gepäcks gezahlten 620 Euro. Der Ehefrau meinte jedoch, sie müsse einen höheren Anspruch haben.

Das Gericht vertrat die Auffassung, dass die verspätete Ankunft eines Koffers während der Kreuzfahrtreise zwar einen Mangel darstelle, der zur Minderung des Reisepreises führen könne. In der Regel werde eine Minderung zwischen 20 und 30 % pro Urlaubstag für angemessen erachtet. Eine höhere Reisepreisminderung von 50 % komme nur in Ausnahmefällen in Betracht. Das Landgericht Frankfurt habe einen solchen anerkannt, weil während einer Antarktisreise die notwendige kälteabweisende Kleidung fehlte (Az. 2-24 S 44/06). Ein Vergleich mit früherer Rechtsprechung, die eine Minderung von 40 bis 50 % anerkannte, könne nicht herangezogen werden, da diese auf die vor 20 Jahren herrschende Kleiderordnung auf Kreuzfahrtschiffen zurückzuführen gewesen sei. Die hier gezahlte Entschädigung sei ausreichend gewesen. Bei einem Reisepreis von 2.399 Euro hätte der Umfang der Minderung sogar knapp 40 % des Tagesreisepreises entsprochen.

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