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Recht / Zivilrecht 
Mittwoch, 05.07.2017

Haftung bei Unfall mit 10-jährigem Radfahrer - kein Schadensersatz bei erheblichem Mitverschulden

Kinder können zwar ab 10 Jahren nach den Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuchs für Unfälle im Verkehr grundsätzlich verantwortlich gemacht werden. Laut Amtsgericht Augsburg haftet ein 10-jähriger Radfahrer jedoch nicht auf Schadensersatz, wenn bei einem Zusammenstoß eine Autofahrerin nicht auswich, obwohl sie die Möglichkeit dazu gehabt hätte (Az. 72 C 4696/15).

Im vorliegenden Fall war ein 10-jähriger Schüler in rasanter Fahrt auf dem Fahrrad eine abschüssige Straße heruntergefahren. Er bog nach rechts in eine enge Straße ab und landete auf der Motorhaube eines Autos, das ihm dort entgegenkam. Dem Jungen passierte nichts, aber das Auto war beschädigt. Die Eigentümerin wollte den Schaden in Höhe von rund 2.500 Euro ersetzt haben.

Das AG Augsburg entschied aufgrund eines Gutachtens, das den Unfallhergang näher klärte, dass die Klägerin keinen Anspruch auf Schadensersatz hatte. Die Autofahrerin sei lt. Gutachten nämlich nicht – wie von ihr vorgetragen – ganz rechts am Randstein gefahren, sondern eher mittig. Daher habe sie den Unfall überwiegend selbst verschuldet. Sie sei dem 10-Jährigen in der engen Straße nicht ausgewichen, obwohl sie die Möglichkeit dazu gehabt hätte. Zwar könnten Kinder ab 10 Jahren nach den Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuchs für Unfälle im Verkehr grundsätzlich verantwortlich gemacht werden. Das Mitverschulden des Jungen war aber unter Berücksichtigung seines Alters und seiner Einsichtsfähigkeit so gering, dass er in diesem Fall nicht haften müsse.

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